Jeder spürt es in seiner eigenen Tasche – die Strompreise steigen. Allein zum Jahreswechsel 2009/2010 haben über 40 Anbieter die Tarife angehoben. Aber wer ist daran schuld? Darüber tobt seit Jahren ein Streit zwischen Befürwortern und Gegnern alternativer Stromquellen. Schauen wir uns die Fakten und Argumente doch einmal näher an.
Die Kosten von Elektroenergie aus alternativen Quellen (Wind, Solar) sind deutlich höher als die aus konventionellen Kraftwerken. Die Energieerzeuger werden über das “Erneuerbare Energien Gesetz” (EEG) gezwungen, diese Energie (unabhängig vom Bedarf) zu festgesetzten Preisen abzunehmen und in die Netze einzuspeisen. Die dadurch entstehenden Mehrkosten werden auf die Strompreise umgelegt. Diese Umlage wurde für 2010 bundeseinheitlich von 1,1 auf 2,05 Cent/kWh angehoben.
Dazu kommen die Aufwendungen, die für den Ausbau der Netze betrieben werden müssen, z.B. um die in Norddeutschland erzeugte Windenergie in den verbrauchsintensiven Süden Deutschlands zu transportieren. Ein weiteres Problem ist der Umstand, dass die Energieversorger nach wie vor hohe konventionelle Kapazitäten zur Energieerzeugung vorhalten müssen, um Perioden zu überbrücken, in denen kein oder wenig Strom aus Wind- oder Solaranlagen eingespeist wird. Aus diesem Grund muss dem Ausbau des europäischen Verbundnetzes künftig erhöhte Priorität gewidmet werden.
Demgegenüber stehen Untersuchungen des Fraunhofer-Institites, die belegen, dass die Einspeisung erneuerbarer Energien zu einem Sinken der Preise an den Strombörsen um ca. 7,8 EUR/MWh führt (Merit-Order-Effekt). Nach einem Gutachten des Ingenieurbüros für neue Energien (IfnE) würde im Jahr 2020 den Mehraufwendungen für erneuerbare Energien von 2,4 Mrd. Euro fast die zehnfache Menge eingesparter Brennstoffimporte gegenüberstehen. Man rechnet daher ab 2013 mit einem kontinuierlichen Rückgang der Förderung.
Zu berücksichtigen ist natürlich auch, dass die Herstellungskosten nur zu etwa 20 % in den Strompreis des privaten Endverbrauchers eingehen. 40 % entfallen auf die Übertragung der Energie und 20 % auf diverse Steuern und Abgaben. Neben den erneuerbaren Energien wird zum Beispiel auch die Kraft-Wärme-Kopplung über eine Sonderabgabe gefördert.